Ich möchte heute ein paar Punkte aufführen, die vielleicht zum Nachdenken anregen. Ja, ich frage noch immer: Wer will ein freies Palästina?

Israel, Demokratie und die Haltung des Westens

  1. Israel hat nachweislich bis heute die einzige noch funktionierende Demokratie im Nahen Osten. Das ist Fakt. Seine Palästina-Politik oder die Blockaden können diesen Umstand nicht entkräften.
  2. Dem Westen, besonders Deutschland, war es in der Vergangenheit sehr willkommen, die Anti-Israel-Nachrichten zwar mit einem Fingerzeig, aber wohlwollend zuzulassen, um die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs etwas zu relativieren, die Deutschland nach dem Krieg in vieler Hinsicht sehr belastet haben. Deutschland hat sich aber bezüglich der Vernichtung von Minderheiten in seiner jüngsten Geschichte vorbildlich verhalten und nie versucht, sich davon reinzuwaschen. Das kann man nicht von allen Staaten behaupten, die ähnliche Geschichten haben. Was Deutschland nicht berücksichtigt hat, ist, dass es damit die kommenden islamischen Bewegungen indirekt unterstützt. Die Rechnung kommt noch, leider …

Warum ein freies Palästina politisch kaum gewollt ist

Nach meinem Eindruck scheint kaum jemand wirklich an einem freien Palästina interessiert zu sein. Weder die lauten türkischen Politiker, die sich als Rechtsvertreter Palästinas aufführen, noch die arabischen Regierungen rund um Palästina.

Die Rolle der Türkei

  1. Die Türkei sieht in den Palästinensern die ewigen Verräter, die osmanische Soldaten für die Engländer vergiftet und somit dem Osmanischen Reich im Nahen Osten geschadet haben. Damals waren Palästina und viele andere orientalische Länder von den Osmanen besetzt.
  2. Es wird auch in der Türkei vermutet, dass palästinensische Ausbilder armenische Terroristen ausgebildet haben, die in den vergangenen Jahren etwa 40 türkische Diplomaten weltweit ermordeten.
  3. Die Türkei hat bis heute einen Botschafter in Israel und unterhält nur ein kleines Konsulat in Palästina. Jetzt frage ich laut: Wenn die Türkei es ernst meint, wieso entsendet sie keinen Botschafter und leitet damit eine echte Anerkennung Palästinas offiziell ein?
  4. Die politischen Verbindungen zwischen Israel und der Türkei sind seit der Gründung Israels sehr freundschaftlich und auch verbindlicher, als die breite Masse aktuell vermutet. Sie haben belegbare historische Gründe. Diese hier im Forum einzeln aufzuführen, wäre zu umfangreich. Sie können aber bei Interesse recherchiert werden.Deshalb sehe ich in der Anwaltsrolle der Türkei vielmehr nationale politische Interessen der türkischen Regierung als echte Israel-Kritik. Die türkische Regierung hat im eigenen Land mit ihrer Glaubwürdigkeit zu kämpfen und braucht dringend profilstärkende Elemente.Dazu kommt meine sehr, sehr private Vermutung, dass die heutige Regierung von manchen mächtigen, islamischen und sehr bekannten öffentlichen Personen, die außerhalb der Türkei leben, nicht mehr uneingeschränkt gewollt ist.Ich werde mich absolut nicht wundern, wenn demnächst die Rückwanderung mächtiger Muslime aus Übersee in den Schlagzeilen erscheint. Ob der türkische Ministerpräsident ebenfalls ahnt, dass er als Beauftragter im Land nicht mehr so erwünscht ist, und versucht, ohnmächtig dagegenzuwirken?Eine antisemitische Stimmung kommt ihnen dabei sehr gelegen, weil einem türkischen Politiker, der es wagt, laut gegen Israel aufzutreten, endlich von vielen Antisemiten weltweit applaudiert wird. Tolles Konzept, oder?Ob das Erdogans erzwungene, aber an sich wackelige Position im Land festigen kann, werden wir sehen. Ich vermute, es wird noch lange so bleiben. Momentan scheint er mir eher wie jemand, der mithilfe seiner Begünstigten seine eigene Haut retten möchte und mit seinen allzu offensiven Schritten auch seine ehemaligen Gönner und Unterstützer verärgert.

Die Interessen der Nachbarstaaten

  1. Weder Syrien noch Jordanien sind an einem freien Palästina interessiert, weil sie dadurch geografische Nachteile hätten. Die Zeit wird ihnen jedoch zeigen, dass sie mittelfristig noch größere Existenzprobleme bekommen werden.
  2. Saudi-Arabien und die restlichen undemokratischen muslimischen Länder im Nahen Osten? Sie sind historisch an den USA und England orientiert und schweigen bekanntermaßen seit Ewigkeiten. Hinter verschlossenen Türen unterhalten sie, wenn auch inoffiziell, sehr innige politische Beziehungen zu Israel. Außerdem: Wie können solche Systeme ein demokratisches Palästina wünschen, wenn sie selbst ihrem eigenen Volk nicht einmal die Mindestfreiheit gewähren? Es wäre etwas unglaubwürdig, oder?
  3. Ägypten? Es kassiert seit Jahren etwa drei Milliarden Dollar für die Kontrolle des Sinai. Ob die Summen heute noch identisch sind, entkräftet meine Frage keineswegs. Nimmt jemand an, Ägypten würde diese Arbeit umsonst machen? Wer kann es sich heute erlauben, auf solche sicheren Einnahmequellen zu verzichten? Jetzt haben die Ägypter viel mehr Angst davor, dass diese Rolle eventuell der Türkei übertragen werden könnte und diese die Gelder kassiert. Wie man merkt, ist niemand wirklich an einem freien Palästina interessiert.

Auch die Hamas profitiert vom ungelösten Konflikt

  1. Nicht einmal die Hamas kann sich ernsthaft ein freies Palästina wünschen, da sie danach zwangsläufig nicht mehr so mächtig und populär wäre, wie sie es jetzt ist.

Die wirklichen Leidtragenden sind die Zivilisten

Die realen Leidtragenden sind wieder nur die Zivilisten und Kinder, deren Zukunft niemanden wirklich interessiert. Nicht einmal die ach so lauten Friedensaktivisten, die sich blauäugig für Aktionen instrumentalisieren lassen, die lediglich der Verteilung und Erhaltung von Macht dienen, ohne sich tiefere Gedanken zu machen.

Nun bitte ich um eine ehrliche Antwort: Wer will ein freies Palästina?

Aktuelle Ergänzung vom 19. Juni 2010

Seit heute Morgen fliegen türkische Flugzeuge massive Angriffe auf den Nordirak, und die westlichen Medien sind wieder erstaunlich leise, fast zögerlicher als sonst.


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