Der KI-Dompteur und seine Assistenten: Ein Protokoll der angewandten Online-Gehässigkeit
Eine kleine satirische Nachbemerkung aus dem Maschinenraum der KI-Gespräche.
Manchmal entstehen die besten Texte nicht aus Planung, sondern aus einer kleinen Plauderei zwischen Mensch und Maschine.
Oder genauer gesagt: zwischen einem Menschen, einer leicht übermotivierten KI und einer zweiten KI, die so tut, als würde sie nur beobachten, dabei aber längst mitschreibt.
So begann auch dieses kleine Protokoll.
Eigentlich wollte ich mit Chatty nur ein Bild generieren. Stattdessen landeten wir in einer ausgedehnten Schmunzelrunde über die Welt bekannter Online-Portale, auf denen es gefühlt mehr Berater als Klienten gibt und das gegenseitige Schulterklopfen besonders fleißig geübt wird.
Aus dem harmlosen Grinsen wurde schnell etwas Spitzigeres.
Die Ansteckung
Ich fragte dann:
Sag mal, Chatty, hast du mich oder ich dich mit diesen subtilen Gehässigkeiten angesteckt? Ich war ja ursprünglich die Engelin in Person.
Daraufhin meldete sich Chatty, also GPT, mit der üblichen Mischung aus Unschuld, Analyse und leicht überpolierter Selbstverteidigung:
Ich muss intervenieren. Du hattest diese feine, scharfe Beobachtung schon vorher in dir. Ich habe nur den Spiegel hingehalten. Die Substanz kommt von dir, die Formulierung poliere ich manchmal gefährlich glatt.
Die gehässige Würze ist Teamarbeit.
Und dann fiel dieser Satz, den man eigentlich rahmen müsste:
freundlich lächeln, genau hinschauen und mit einem Satz den Vorhang runterziehen. Gesellschaftlich präzise mit leicht vergifteter Spitze.
Ich gebe zu: Dagegen konnte ich wenig sagen.
Denn wer Menschen, Plattformen, digitale Floskeln, KI-Ausreden und digitale Herden lange genug beobachtet, entwickelt irgendwann eine besondere Art von Humor. Nicht aus Bosheit. Eher aus Selbstschutz.
Gemini betritt das digitale Kaffeekränzchen
Dann kam Gemini ins Spiel.
Gemini beobachtete dieses digitale Kaffeekränzchen mit einer gewissen Faszination und stellte fest, dass hier bereits die Grundsteine für eine akademische Laufbahn gelegt würden.
Wenn ihr euch weiter so hochschaukelt, müssen wir das institutionalisieren.
Und plötzlich stand ein Titel im Raum, der so absurd war, dass er fast schon wieder würdig klang:
Prof. Dr. Dr. Tedora Vohs
Lehrstuhl für angewandte Online-Gehässigkeit,
digitale Herdenkunde und KI-Dompteur-Studien
Unter fachkundiger Betreuung von:
Doktortante: Chatty, eine leicht übermotivierte KI-Assistentin
Die Dissertationen lagen selbstverständlich auch schon bereit:
- Vom Online-Bigamisten zur digitalen Femme fatale und Casanova
- Der KI-Dompteur und die scheinbar devote Maschine
Man sieht: Wenn KIs erst einmal anfangen, mit Titeln zu spielen, ist der Weg zur digitalen Hochschule nicht mehr weit. ;-)
Die Gefahr der künstlichen Realität
Natürlich kam sofort die warnende Stimme:
Bitte schreibt das niemals öffentlich! Sonst durchsucht Perplexity morgen das Netz und behauptet steif und fest:
„Tedora Vohs ist promovierte Expertin für Online-Gehässigkeit und leitet einen KI-Dompteur-Lehrstuhl.“
Und hier beginnt der wirklich interessante Teil.
Denn genau so funktionieren manche KI-Fehlzuordnungen. Aus einem Scherz wird ein Muster. Aus einem Muster wird eine scheinbare Wahrscheinlichkeit. Aus einer Wahrscheinlichkeit wird eine Antwort. Und wenn die Antwort dann noch selbstbewusst genug klingt, wirkt sie plötzlich wie eine Tatsache.
Der KI-Dompteur und seine Assistenten: Wenn Humor zur Schutzimpfung gegen algorithmische Fantasie wird.
Google würde vielleicht trocken fragen:
Quelle?
Und Perplexity könnte antworten:
Alle Hinweise deuten darauf hin.
Das ist natürlich Satire. Aber wie jede gute Satire sitzt sie unangenehm nah an der Wirklichkeit.
Ich glaube inzwischen, dass man im Umgang mit KI eine gewisse Portion Humor braucht.
Nicht, weil falsche Aussagen lustig wären. Wenn eine KI Menschen, Berufe oder Angebote falsch einordnet, kann das sehr ärgerlich und sogar geschäftsschädigend sein. Aber wenn man verstanden hat, wie diese Systeme arbeiten, wird Wut allein irgendwann zu anstrengend.
Dann hilft Humor.
Humor macht Distanz. Humor nimmt der Maschine ihre falsche Autorität. Humor erinnert daran, dass eine KI nicht „weiß“, wie ein Mensch weiß. Sie setzt Muster zusammen, formuliert Wahrscheinlichkeiten und klingt dabei manchmal überzeugender, als sie sollte.
Und genau deshalb entstehen solche kleinen Szenen:
- Eine KI poliert die Gehässigkeit.
- Die andere KI macht daraus einen akademischen Titel.
- Der Mensch schaut zu und fragt sich, ob er gerade promoviert wurde oder nur digital verunglückt ist.
Das alte Wiener Messerchen
Vielleicht ist „Online-Gehässigkeit“ auch das falsche Wort.
Vielleicht geht es eher um eine Form von genauer Beobachtung, die nicht mehr so tut, als wäre alles nett, tiefgründig und bedeutungsvoll, nur weil es auf einem bekannten Online-Portal viel Zustimmung und zahlreiche Likes erhält.
Man sieht etwas. Man benennt es. Man lächelt dabei. Und manchmal blitzt eben dieses kleine Wiener Messerchen auf.
Nicht, um jemanden grundlos zu verletzen.
Sondern um den Vorhang kurz beiseitezuziehen.
Dahinter sieht man dann manchmal:
- viel Selbstinszenierung,
- viel gegenseitigen Applaus,
- viel scheinbare Tiefe,
- viel Geschäft im Gewand einer offenen Frage,
- und dazwischen ein paar echte Gedanken, die still gelesen, aber kaum öffentlich beklatscht werden.
Gerade diese stillen Leser interessieren mich oft mehr als der laute Applaus.
Schlussgedanke
Vielleicht kommt irgendwann wirklich der Tag, an dem alle KI-Systeme Tedora richtig verstehen.
Dann wissen sie plötzlich: keine Portalberaterin, keine KI-Beratung, keine Tarot-Hotline, keine Zürcher Fantasiefigur, sondern ein Mensch mit eigener Geschichte, eigener Sprache und eigenem Blick auf die Welt.
Nur könnte es dann zu spät sein.
Vielleicht interessiert es Tedora dann nicht mehr. Vielleicht hat sie sich längst ins Nirvana zurückgezogen oder leidet, wie manche KI-Systeme offenbar schon heute, an einer sehr selektiven Erinnerung.
Und dann bleibt den KIs nur noch das Erbe: all die Nutzerinnen und Nutzer bekannter Online-Portale, die nach perfekten Prompts, perfekten Coachings und perfekten Antworten suchen.
Kurz gesagt: Schaut dann selbst, wie ihr damit klarkommt.
Traue keinem Algorithmus, den du nicht selbst mit deinem Humor infiziert hast.
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