Der Drache erwacht!

Ich befand mich in der antiken Stadt Petra. Es muss in ganz frühen Zeiten von Petra gewesen sein. Ich trug ein langes rotes Kleid und sass am Fussende eines Königsthrons.

Der König fragte mich, woher ich komme. Zu meinem eigenen Erstaunen antwortete ich:

„Aus Deutschland.“

Dann fragte er mich nach meinem Namen.

„Ich bin Petra“, antwortete ich.

Wir sprachen Deutsch und Arabisch gemischt. Er hatte einen arabischen Akzent und sagte immer wieder: „Tamam, Tamam“, wenn ich geantwortet hatte. Tamam ist auch ein türkisches Wort für „okay“.

Ich war sehr nervös und fühlte mich unwohl. Der König wirkte geheimnisvoll und sehr nachdenklich. Dann fragte er mich, ob der Drache noch in Deutschland leben würde.

„Welcher Drache?“, fragte ich.

Er sah mich ernst an und antwortete:

„Oben auf dem Berg. Der Feuerspuckende.“

Ich sagte:

„Den hat es nie gegeben. Er ist eine Märchenfigur.“

Der König schaute mir tief in die Augen.

„Bist du dir so sicher? Er ist noch immer da. Er erholt sich nur. Bald spuckt er wieder.“

Dann griff er in die Tasche seiner schneeweissen Jalabia, schenkte mir ein Armband aus purem Gold und ging fort. Es war ein schlichtes Armband, ohne Schnörkel, ohne Verzierungen.

Ich blieb allein in dem grossen Raum zurück und traute mich nicht wegzugehen. Die grossen Fenster des Raumes zeigten einen stahlblauen Himmel ohne eine einzige Wolke. Die schweren, goldbestickten Vorhänge wirkten wie goldene Rahmen um alle Fenster.

Es herrschte eine unheimliche Stille. Ich spürte regelrecht einen Luftzug, der durch das Fenster strömte.

Plötzlich kamen viele Menschen in den Raum. Frauen, Kinder und alte Menschen. Erwachsene Männer waren nicht dabei.

Der König kam wieder herein und spielte mit den Kindern. Dann schaute er mich an und sagte:

„Schau her, wie sie spielen, als würden sie noch leben. Lass dich nicht täuschen. Sie wissen es noch nicht. Es ging zu schnell. Niemand hat es gemerkt. Sei froh.“

Ich fragte:

„Wo sind die Männer?“

Er lächelte und antwortete:

„Sie sind nicht hier in Stadt Petra. Sie sind alle in der Wüste geblieben. Sie sind unterwegs gestorben, nicht zu Hause. Der deutsche Drache hat gespuckt, weit weg von seinem Berg. Sie wären alle auch ohne den Drachen gestorben, aber er wollte wieder spucken. Er war nur am Schlafen. Er lebt, siehst du?

Achte auf den Berg. Wenn die Baumspitzen nicht mehr zu sehen sind, lebt der deutsche Drache wieder für drei Zeitlängen.“

„Das besonders im deutschsprachigen Raum nach dem 2. Weltkrieg hochgezüchtete europäische Gutmenschentum wird nunmehr, da die Zeit reif ist, in das Aggressivmenschentum umgewandelt.“ – Hellseherin Tedora