Schon alleine die Tatsache, dass wir die Wahrheit definieren müssen, relativiert sie gewaltig. Eine absolute Wahrheit wäre jenseits alle Definition unmittelbar und ohne Reflexion alle zugänglich.

Sie wäre uns quasi als Information über die Welt mitgeliefert worden. Dann bräuchten wir keine Natur und Geisteswissenschaften… Wozu auch? Es gäbe keinen Wissensdurst und kein Neugier!?

Es gäbe keine Fragen sondern nur unwiderlegbare Gewissheiten…

Es gäbe nicht die Entwicklung physikalische Theorien, Verifikation, Falsifikation etc. durch Experimente. Das denken über die Welt als Aktion von „Positionsbestimmung“ wäre sinnlos!

Wenn alle Menschen diese Erde über einen Gegenstand die gleiche Aussage machen, erreichen wir das Höchstmaß an Objektivität, das heißt: Denken und Sein auf menschlicher Ebene… Menschen würden ein Baum irgendwie ähnlich beschreiben, aber Insekten, Vögel, Reptilien haben davon abweichende Bilder. Was ist denn nun die Wahrheit des Baumes? Wahrheit definieren wir am besten als Übereinstimmung von Denken und Wirklichkeit (oder denken und sein), somit ist die Wahrheit auch nur vorläufig, denn der Grad der Übereinstimmung immer verbessert werden kann. Dieser Prozess ist prinzipiell unabgeschlossen.

Das zeigt sich auch wunderschön an der Entwicklung von Physik, die das Erkenntnis der Wirklichkeit von der Welt subjektiv erklärt hat und sich damit zufrieden gab.

Wenn wir dann sagen: Übereinstimmung vom Denken und Wirklichkeit, haben wir vorausgesetzt, dass es eine von uns unabhängig existierende Wirklichkeit gibt, zu dem wir in Bezug stehen. Doch selbst das ist keineswegs sicher

Wir können doch nicht einmal das Begriff ABSOLUT allgemeingültig definieren! Absolut ist absolut immer nach unserem Verständnis!… Wenn wir Gott, der „absolut“ sein sollte, Eigenschaften zuweisen, haben wir eine Projektionsebene menschliche Sehnsüchte, Wünsche, Ängste usw. etc. geschaffen.. Wir haben ihn also somit definiert, ja so ist es!?

Wir müssen uns leider damit abfinden, dass die Wahrheit nur vorläufige, bestmöglicher Übereinstimmung von Denken und Sein (Wirklichkeit) ist.

Wenn das jemand anders definiert, ist das genauso „wahr“

Also, sagt ein „Gläubiger“ und auch „nicht Gläubiger“ immer die absolute Wahrheit, wenn sie sich äußern

Quelle Beitrag Tedora vom 25.07.2005